Sonntag, 27. April 2014

Haie und kleine Fische




Nightmare – eine Vorstellung, die das Blut in den Adern gefrieren lässt:

Schrecklicher Alptraum –  Menschen -  nur ihre Torsi, denen Arme und Beine abgetrennt wurden – liegen hilflos verblutend im Wüstensand, ein elender Tod – fast im Sekundentakt sterben drei und die Welt schaut zu. Totentanz!


Während ich dies schreibe sind im Laufe des Jahres 200 Millionen Lebewesen gestorben und die Grausamkeiten finden kein Ende! Es ist, als würden täglich immer mehr Menschen ihrer Arme und Beine beraubt, weil ganzen Völkern suggeriert wurde, diese Extremitäten wären schmackhaft und würden zu Heilzwecken oder als Potenzmittel dienen.

 
Du Mensch, findest das grotesk und widerlich?  - Und doch verursachen wir solche Greuel. Es geschieht tagtäglich an unseren ältesten Mitgeschöpfen in den Meeren, den Haien, die seit 400 Millionen Jahren die Meere bewohnen und damit - älter als die Dinosaurier - deren Lebenszeit in der Erdgeschichte weit überlebten.
 
 
                                                        Riffhai (Wikipedia gemeinfrei)   
 
Während ich dies schreibe erkenne ich mit Erschrecken wie wenig wir eigentlich über Haie wissen. Die Mär vom mordenden bestialischen weißen Hai, der blutrünstig und gierig nach Menschenfleisch die Meere durchstreift, geistert immer noch durch die Köpfe, festgesetzt auch durch reißerische Filme wie jener durch sensationslüsterne Effekthascherei geschwängerte  „Der weiße Hai“.
Natürlich sind Haie wilde Tiere, ebenso wie Wildschweine, Löwen und Tiger. Während aber die Felle von Löwen und Tigern Wärme suggerieren, ist  uns der Hai fremd geblieben, sein mit Zähnen bewehrtes Maul flößt Angst und Schrecken ein, seinen Lebensraum teilen wir nicht.
 Während ich dies schreibe überlege ich wie das Wesen, der Knorpelfisch Hai, wirklich lebt, wie es evtl.seine Kindern in die Kunst des Lebens und Überlebens einführt.  500 verschiedene Arten dieser Meeresspecies gibt es, von denen die meisten von Plankton leben, manche auch von kleinen Fischen und einige, wie der weiße Hai, auch von Robben, da er als Warmblütler fähig ist, diese Tiere zu bejagen.
 Während ich dies schreibe bedenke ich die Tatsache, dass Haie erst mit 30 Jahren zur Geschlechtsreife gelangen und nur alle zwei bis drei Jahre Junge gebären oder manche Arten auch Eier in einer dicken Hülle in Seetang oder Felsspalten ablegen, zum Schutz vor Raubfischen. Die Embryos ernähren sich vom Dottersack, nach dem Schlüpfen sind die jungen Haie auf sich allein gestellt.
 
                          Haifischeier - kurz vor dem Schlüpfen (Wikipedia c) Dirk Hoffmann)
 

Während ich dies schreibe erstaunt mich die Information, dass Haie keine Schwimmblase besitzen, ihr Auftrieb nur mit Hilfe ihrer stark ölhaltige Leber erfolgt und sie aus diesem Grund ständig in Bewegung bleiben müssen. Es erstaunt mich, dass die Natur auch Ruhehöhlen in den Meeren für Haie bereit hält, die durch besondere Wasserverhältnisse
den Haien ermöglicht, ohne ständige Bewegung zwar nicht zu schlafen, aber zur Ruhe zu kommen.
 
Während ich dies schreibe überlege ich, wie wenig wir, die wir die Arten retten wollen, die wir das Töten selbst als widerwärtig empfinden und zum Schutz der Haie eintreten, über diese äußerst interessante Spezies wissen. Aber wie viel weniger wissen die Helfershelfer der mörderischen Fischerei-Industrie, das bestätigten Taucher, die sich mit chinesischen Helfern  in den Haiwelten bewegten
 
 
                                       Walhai, die größte Haiart (c) Wikipedia . gemeinfrei
 
 
Wissen ist Macht, Information und Aufklärung ihr wichtigster Bestandteil
 
Überprüfen wir unsere eigenen Vorurteile auf ihre Richtigkeit:
 
Haie gibt es zu viele -  falsch
Im Gegenteil viele Arten sind schon fast ausgestorben, wie z.B. die Dorn- und Zitronenhaie, die stark im europäischen, aber auch besonders  im amerikanischen Raum als bevorzugter Leckerbissen, wie der „Schillerlocke“ auf dem Speisezettel stehen. Andere Arten werden demnächst  aus den Meeren für immer verschwinden.  Die sog.“ Beifänge“, bedingt durch die im großen Stil meeresplündernden industriellen  Abfischungen, haben in den letzten Jahren den Bestand der großen Meerestiere aufs Äußerste dezimiert.  Neuere Forschungen der Universität Halifax haben ergeben, dass etwa 80 % der Hochseehaiarten bereits ausgestorben sind. 
 
Haie sind dumm -  falsch
Die hochspezialisierten Haie – mit 7 Sinnen ausgestattet –  zeigen sich als äußerst sensible, schlaue Tiere, die z.B. besser sehen als Katzen und über einen besseren Geschmackssinn verfügen als Menschen und sogar sich durch Gesten untereinander bemerkbar machen können, also ein soziales Verhalten zeigen.
 
Haie sind böse aggressive, Menschenfresser - falsch
Man kann von durchschnittlich weltweit 12 Haiunfällen im Jahr ausgehen, ebenso viele wie bei Unfällen mit Elefanten. In dieser Zeitspanne sterben weit mehr Menschen durch einen Blitzschlag; denn Menschen stehen nicht auf dem „Speiseplan“ des Hais.
 
Haie sind  Fressmaschinen - falsch             
Haie fressen oft viel weniger, als andere Tiere und nur so viel wie sie zu ihrer Ernährung brauchen. Bei manchen Arten ist  der Organismus ist so eingerichtet, dass sie Futter auf Vorrat einlagern können, andere wiederum können sechs bis sieben Tage ohne Nahrung leben.                         
                         
Haie sind unwichtig - falsch
Sterben die Haie, sterben allmählich die Meere. Das Meer durchfließt die Haie, sie sind die wichtigsten Meeresfilter . Ein Korallenriff ohne Haie erlischt innerhalb eines Jahres.
 
Es würde dicke Bücher füllen,  um mit allen menschlichen Vorurteilen, insbesondere jenen, die seit dem 19. Jahrhundert entstanden sind, aufzuräumen.
 
Was mich entsetzt:
 
Haifischflossen-Handel
Als Hauptakteure im Handel mit Haiflossen erweisen sich die EU-Staaten,  in vorderster Front Spanien und Portugal, sie  sind damit hauptverantwortlich für das Hai-Desaster, denn 54 % des Geschäftes mit Haiflossen werden in der EU getätigt, die dadurch den 80 %igen Rückgang der entsprechenden Haiarten zu verantworten hat.
 
Sportfischerei, Hai-Jagd
Schätzungen sprechen davon, dass alleine vor der Ostküste der USA 2,5 Millionen Haie von sog. Sportanglern gefangen werden. Es gilt dabei als höchste „Disziplin“ einen Tiger- oder Blauhai zu besiegen, ein Ritual, das sich auf folgende Weise abspielt:
Entweder werden die Haie so lange am Haken mit dem Boot mitgezogen oder mit einer scharfen Harpune solange traktiert, bis sie verenden. Ein weiteres Freizeitvergnügen der gelangweilten „reichen und schönen“ Sporttaucher ist sehr beliebt, nämlich kleine Haie mit einer Harpune zu töten. Verbote dieser grausamen Sportfischerei werden umgangen, indem diese lebenverachtenden Angler und Taucher in andere Gegenden abwandern, die dieses mörderische Vergnügen erlauben. Als Gipfel dieser Unterwasser-Jagden werden die Haizähne oft nach gelungenem „Kampf“ als Trophäe um den Hals getragen.
 
Das einzig Erfreuliche:
Seit 2012 hat die EU das Abtrennen der Haiflossen – also das Finning – auf offener See verboten, die ganzen, ungeteilten toten Körper müssen in den Häfen angelandet werden. Diese Maßnahme verhindert zwar nicht endgültig das Haifinning, aber eine Kontrolle über die Anzahl der getöteten Haie und die Fangzahlen  ist auf diese Weise  möglich.
  
Resümee:
Wir sind verpflichtet, uns mehr über diese interessante Spezies zu informieren, denn sie sind wesentlich älter als wir, ihre Evolution begann vor 400 Millionen Jahren, die des Menschen vor lächerlichen knappen  7 Millionen.
Sie filterten die Meere, sorgten schon für deren Gleichgewicht im empfindlichen Ökosystem bevor die Menschheit den blauen Planeten bevölkerte und ihn zu zerstören begann. Mehr Wissen ist angesagt: Treten wir Ignoranz und Arroganz entgegen, klären wir auf, und zeigen wir unserer MIT-Welt - auch China -  wie unwirksam z.B. die traditionelle chinesische Medizin ist, dass für den Placebo-Effekt des „Hai-Knorpel-Pulvers“  auch ein Glas klaren Wassers genügt. Zeigen wir, dass es für Menschen ethisch nicht vertretbar ist, diese wichtigen Meeresbewohner nur für einen Teller verkochter, quecksilberbelasteter Knorpelmasse zu massakrieren.  
Ausrottung der Haie – Zerstörung der Meere – Tod der Menschheit.
  
Der Hai  – ein schutzbedürftiges Mitgeschöpf.
Der Mensch – der fressgierigste Räuber des Planeten, geistig nur ein kleiner Fisch.
 


 
 
 
 Elke Gelzleichter April 2014